MUSEEN AM MAINLIMES

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Vicus und Hafenanlage Stockstadt

Der flächenmäßig größte vicus am Mainlimes erhielt seine Bedeutung durch die verkehrsgünstige Lage an der Mündung der Gersprenz in den Main. Die Zivilsiedlung entstand ringförmig um das Kohortenkastell. Die Hafenanlage kann als zentraler Umschlagplatz für Güter gesehen werden.

Der vicus in Stockstadt wurde planmäßig mit der Errichtung des Kohortenkastells angelegt. Die Streifenhäuser und Bauten befanden sich entlang eines Straßennetzes: im Westen befand sich die Limesstraße (heute: Wallstädter Weg), in welche die aus dem Lager als Verlängerung der via principalis führenden Straßen mündeten. Im Nordwesten (Stadtweg) ging die Siedlung in ein Gräberfeld mit Verbrennungsstätte (ustrina) über.
Das größte Siedlungsareal befand sich im Südosten des Kastells, hier befanden sich Werkstätten, Backöfen und Töpfereibetriebe.

Eine weitere Straße verlief parallel zum Mainufer und mündete in einen Platz, der an die Hafenanlage anschloss. Hier lagen das Kastellbad und die Benefiziarierstation, die von 166 bis 208 n.Chr. in Betrieb war. Daneben befand sich ein Nymphen-Heiligtum, wo man eine Quelle zu Heilzwecken nutzte. Am südlichen Rande der Siedlung lagen die Heiligtümer der orientalischen Kulte, der Tempel des Jupiter-Dolichenus und das 210 n. Chr. errichtete Mithräum I.

Die Straßenbefunde zeigen eine Abdeckung mit Gneisbruchsteinen, eine Überdeckung mit feinem Kiesel, und seitlichen Abwasserkanälen, die in den Main führten. Die Straße am Hafen war 9m breit.

Die Hafenanlage wurde 100m vom heutigen Mainufer landeinwärts ausgegraben. Eichenpfähle, die mit einem waagrechten Balken fixiert worden waren, bildeten die Uferbefestigung.

Datierung

Errichtung des Vicus wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Bau des Kohortenkastells; Brandhorizonte. Besiedlung nach dem Fall des Limes durch Körpergräber des 4. Jahrhunderts (Schönberger 1954) und Münzfunde im nördlichen Areal nachgewiesen.

Denkmal

Kategorie: Canabae / Vicus, Beneficiarierstation, Hafenanlage, Heiligtum, Keramikbrennofen, Römerstraße

Streifenhäuser; gemauerte Keller; mehrere Keramikbrennöfen, Töpfereibetriebe; Backöfen; Straßenbefunde; Tempelanlagen; Hafenanlage mit Uferbefestigung; Brandhorizonte; Münzhortfund.

Denkmalschutz: Ja - UNESCO Welterbe 2005

Forschung: Der vicus des Kastells Stockstadt ist der am besten erforschte am Mainlimes. Erforderliche Notgrabungen vor dem Bau der Papier- und Zellstofffabrik fanden 1897 bis 1907 unter der Überwachung vom Ingenieur C. Wirth statt. Mit der fortschreitenden Ausdehnung des Fabrikgeländes fanden ab 1963 ständige Ausgrabungen statt, die weitere Kenntnisse des vicus erbrachten.

Literatur
ORL A, 3, 6, Nr. 33. Drexel 1910. Barthel 1910. Hilzheimer 1924. Schleiermacher 1928. Kunkel 1952. Schönberger 1954. Rattinger-Schneider 1959. Kellner 1963. Baatz 1969. Baatz-Herrmann 1982, 233f. Schönberger 1985, 465, D 63. Sommer 1988, 693. Wamser 1990.

Luftbild der Papier- und Zellstofffabrik, Kastellareal
1
Areal des Kastells und des vicus mit Hafenanlage in Stockstadt, Plan aus ORL B Nr. 33, Tafel I.
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Kastellareal Stockstadt, Plan aus "Archäologisches Jahr in Bayern"
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Mainweg, Fabrikgelände
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1 Luftbild der Papier- und Zellstofffabrik, Kastellareal © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 2 Areal des Kastells und des vicus mit Hafenanlage in Stockstadt, Plan aus ORL B Nr. 33, Tafel I. 3 Kastellareal Stockstadt, Plan aus "Archäologisches Jahr in Bayern" © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 4 Mainweg, Fabrikgelände © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München

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