MUSEEN AM MAINLIMES

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Das Kohortenkastell lag während der Ausgrabungen der Reichs-Limeskommission noch in unverbautem Gelände, südöstlich des mittelalterlichen Ortskerns. Es liegt flussabwärts im Anschluss an den Mainbogen bei Aschaffenburg. Hier trifft die gerade verlaufende Limesstraße wieder auf den Main.

Das heute am Gelände der Papier- und Zellstofffabrik Sappi Stockstadt GmbH liegende Kastellareal umfasste mehrere Lager, zivile Siedlungen, einen Hafen und eine Benefiziarierstation.

Nördlich der Eisenbahnlinie lag ein 0,3 ha großes Kleinkastell, das um 90 n. Chr. errichtet wurde und als ältester Militärbau gesehen wird. Ein weiteres Holzkastell unbekannter Größe, das ebenfalls noch vor 100 n. Chr. errichtet worden war, diente wahrscheinlich als vorübergehendes Baulager für die cohors III Aquitanorum equitata civium Romanorum.

Um 100 n. Chr. wurde schließlich das Kohortenkastell zunächst in Holz-Erde-Bauweise errichtet, und Mitte des 2. Jahrhunderts in Stein ausgebaut.
Der vicus zog sich entlang des Mains, wo auch Reste einer Hafenanlage entdeckt wurden. Das antike Mainufer lag ca. 100 m landeinwärts. Am Main lagen auch das Kastellbad, eine Benefiziarierstation, die den Schiffsverkehr überwachte, und zahlreiche Tempelanlagen und Heiligtümer, so zwei Stätten des Mithraskultes (Mithräum I und Mithräum II). Gräberfelder wurden nördlich der Eisenbahnlinie festgestellt.

Datierung

Kleinkastell um 90 n. Chr.; Holz-Erde-Kastell vor 100 n. Chr.; Kohortenkastell ab 100 n. Chr.
Körpergräber des 4. Jahrhunderts (Schönberger 1954).

Denkmal

Kategorie: Kastell, Kleinkastell, Canabae / Vicus, Mithräum, Heiligtum, Therme / Bad, Hortfund, Keramikbrennofen, Bestattungsplatz, Hafenanlage, Beneficiarierstation

Kleinkastell 0,3 ha. Kohortenkastell 3,2 ha.Vicus mit Mithräum I, Mithräum II, Dolichenusheiligtum, Fortunaheiligtum, Nymphenheiligtum; mehrere Töpferöfen. Ziegelbrennöfen. Kastellbad. Schiffsanlegestelle. Benefiziarierstation. Gräberfelder mit Ustrina.

Zustand: Vollständig überbaut; der Alte Stadtweg entspricht weitgehend der aus dem nördlichen Kastelltor führenden römerzeitlichen Straße. Das Kastellbad wurde 1968 im Nilkheimer Park wieder aufgebaut.

Denkmalschutz: Ja - UNESCO Welterbe 2005

Präsentation: An der Kreuzung Wallstadter Straße und Obernburger Straße ist eine Hinweistafel aufgestellt.

Forschung: Die militärischen Bauten in Stockstadt zählen zu den am gründlichsten erforschten am Mainlimes. Bekannt wurde der Kastellort durch die Forschungen der Limeskommission ab 1885 (W. Conrady, veröffentlicht von Fr. Drexel). Erforderliche Notgrabungen vor dem Bau der Papier- und Zellstofffabrik fanden 1897 bis 1907 unter der Überwachung vom Ingenieur C. Wirth statt. Die Ausgrabungen 1963 und 1968 durch Ch. Peschek erbrachten weitere Kenntnisse der Militärlager.

Literatur
ORL A, 3, 6, Nr. 33. Drexel 1910. Barthel 1910. Hilzheimer 1924. Schleiermacher 1928. Kunkel 1952. Schönberger 1954. Rattinger-Schneider 1959. Kellner 1963. Baatz 1969. Baatz-Herrmann 1982, 233f. Schönberger 1985, 465, D 63. Oldenstein-Pferdehirt 1983. Sommer 1988, 693. Wamser 1990.

Luftbildkarte Kastell Stockstadt
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Kastellareal Stockstadt, Plan aus "Archäologisches Jahr in Bayern"
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Mainweg, Fabrikgelände
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Kreuzung Carl-Wirth-Straße mit Altem Stadtweg, nördliches Areal des Kleinkastells
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Schild vor Fabrikgebäude an der Obernburger Straße, dem westlichen Kastellbereich
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Erster Plan des Kastells Stockstadt am unverbautem Areal
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Areal des Kastells und des vicus mit Hafenanlage in Stockstadt, Plan aus ORL B Nr. 33, Tafel I.
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Kastell in Stockstadt, Plan aus ORL B Nr. 33, Tafel II.
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1 Luftbildkarte Kastell Stockstadt © LVG, Bearbeitung M. Berger (ASM) 2 Kastellareal Stockstadt, Plan aus "Archäologisches Jahr in Bayern" © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 3 Mainweg, Fabrikgelände © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 4 Kreuzung Carl-Wirth-Straße mit Altem Stadtweg, nördliches Areal des Kleinkastells © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 5 Schild vor Fabrikgebäude an der Obernburger Straße, dem westlichen Kastellbereich © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 6 Erster Plan des Kastells Stockstadt am unverbautem Areal © RGK Frankfurt a. Main, Limesarchiv 7 Areal des Kastells und des vicus mit Hafenanlage in Stockstadt, Plan aus ORL B Nr. 33, Tafel I. 8 Kastell in Stockstadt, Plan aus ORL B Nr. 33, Tafel II.

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